skip to main content

Das Grundverständnis von Akzeptanz und Bereitschaft (Commitment)   

„Menschen leiden. Sie kämpfen mit psychischen Schmerzen: mit schwierigen Gefühlen und Gedanken, mit quälenden Erinnerungen, mit unerwünschten Impulsen und Empfindungen. Ihre Gedanken kreisen um diese Schmerzen, sie fürchten sich davor, sie versuchen sie wegzuschieben und sie verbringen ihr Leben in Angst, dass sie wiederkommen.

Menschen zeigen aber auch enormen Mut, tiefes Mitgefühl und eine bemerkenswerte Fähigkeit, ihr Leben in die Hand zu nehmen – manchmal unter schwierigsten persönlichen Voraussetzungen. Obwohl sie wissen, dass sie verletzt werden können, gehen sie das Wagnis der Liebe ein. Obwohl sie wissen, dass sie sterben werden, sorgen sie für die Zukunft. Obwohl sie scheitern können, kämpfen Menschen für ihre Ideale"

Steven C. Hayes

 

Was meint Bereitschaft (Commitment)?

 

 

Wir haben immer zwei  grundlegend unterschiedliche  Möglichkeiten, wie wir mit dem, was in uns passiert, umgehen können:

Entweder versuchen wir,

  • es zu unterdrücken,
  • zu verdrängen,
  • dagegen anzukämpfen,
  • es zu vermeiden.

Oder

  • wir nehmen es an,
  • wir akzeptieren es,
  • wir öffnen uns dafür.

Kurz: Wir sind bereit, zu fühlen, was es zu fühlen gibt, wenn wir so leben, wie wir leben wollen.

Nach Steven Hayes und Spencer Smith bedeutet Bereitschaft:

Die eigenen schmerzhaften Gefühle

  • in der Hand zu halten wie eine zarte Blume.
  • zu umarmen wie ein weinendes Kind.
  • zu sitzen wie bei einem kranken Freund.
  • zu betrachten wie ein faszinierendes Gemälde.
  • auf dem Arm zu tragen wie ein erschöpftes Kind.
  • mit dem gleichen Respekt zu begegnen und ihnen zuzuhören wie einem guten Freund.
  • in sich aufzunehmen wie einen tiefen Atemzug.

Bereitschaft bedeutet, den Kampf gegen die eigenen schmerzhaften Gefühle einzustellen wie ein Kämpfer, der seine Waffe niederlegt und nach Hause geht.

Bereitschaft bedeutet nicht,

  • schmerzhafte Gefühle zu unterdrücken,
  • zu ignorieren,
  • zu vergessen,
  • sich mit ihnen zu identifizieren,
  • zu tun, was sie einem sagen,
  • nicht zu tun, was sie einem sagen,
  • ihnen zu glauben oder nicht zu glauben.

 

 

Akzeptanzphilosophie (nach Stephen C. Hayes)

 

 

Suche das wertvolle Leben      

  • Suche keine Glücksgefühle, suche das wertvolle Leben.
  • Dann wirst du dich manchmal glücklich fühlen und manchmal nicht.

Frage dich: Wie will ich leben?           

  • Frage dich nicht: „Wie will ich mich fühlen?“
  • Frage dich stattdessen: „Wie will ich leben?“

Erkenne an, dass negative Gefühle zum Leben gehören

  • Wenn du lebst, liebst, arbeitest, lernst, Erfahrungen machst, wirst du Schmerz, Angst, Traurigkeit und Niedergeschlagenheit erleben.

Erkenne, dass Vermeidung zu Leid führt   

  • Liebst du nicht, arbeitest du nicht und verschließt du dich vor der Welt, weil du den Schmerz, die Angst, die Traurigkeit und die Niedergeschlagenheit nicht spüren willst, wirst du leiden.
  • Und dieses Leid wird ein dumpfes, lähmendes, erdrückendes Leid sein.
  • Du wirst daran leiden, zu leben ohne lebendig zu sein.

Betrachte den Verstand als ein Werkzeug 

  • Dein Verstand ist wichtig. Aber er ist nicht immer dein Freund.
  • Und vor allem: Er soll dir dienen, er ist dein Werkzeug – und nicht umgekehrt.
  • Dein Verstand neigt dazu, das zu vergessen. Vergiss du es nie.

Erkenne an, dass Gefühle Spuren deiner Geschichte sind        

  • Deine Gefühle sind ebenfalls wichtig. Geh gut mit ihnen um.
  • Aber denk immer daran: Sie sind Spuren deiner persönlichen Geschichte. Nicht mehr und nicht weniger.

Erkenne, dass du keine Maschine bist

  • Du bist ein Mensch, keine Maschine.
  • Erwarte also niemals, wie Maschine zu funktionieren:
    Keine Angst haben, kein Herzklopfen, keine Zweifel, keinen Schmerz.
  • Maschinen können das, Menschen nicht, jedenfalls keine lebendigen.

Nimm deine Einschränkungen an     

  • Du musst nicht der Beste,  der Erfolgreichste, der Klügste, nicht der von sich am meisten Überzeugte sein.

Begegne dir selbst mit Mitgefühl       

  • Du darfst dich kritisieren. Das ist gut so.
  • Du brauchst deine Zweifel, auch die an dir selbst. 
  • Aber gehe mitfühlend und fürsoglich mit dir um.

Übe dich in (Selbst-) Fürsorge und Liebe   

  • Sei anteilnehmend, offen, tröstend und liebevoll.
  • Sei dies zu anderen und zu dir selbst.

Lerne zu verzeihen         

  • Lerne zu verzeihen.
  • Dir selbst und anderen.

Nutze deine Erfahrungen für deine Entwicklung

  • Schöpfe aus deinen Erfahrungen, mache dir das im Leben Gelernte zunutze.
  • Nutze deine Vergangenheit, aber benutze sie nicht als Waffe gegen andere.
  • Nutze sie auch nicht als Entschuldigung dafür, dass du nicht das Leben lebst, das du leben könntest.

Akzeptiere deine Vergangenheit       

  • Akzeptiere deine Vergangenheit. Sie ist nicht mehr zu ändern.
  • Sie ist, wie sie ist

Akzeptiere das Leben und wähle

  • Akzeptiere, dass das Leben die Karten nicht geleichmäßig verteilt. 
  • So ist es. Es ist, wie es ist.
  • Du kannst dich über die Karten beklagen, die du bekommen hast. Du kannst sie hinwerfen. Oder du kannst sie annehmen und spielen.
  • Du hast die Wahl. Wähle.

Frei übertragen nach:

  • Steven C. Hayes
  • Matthias Wengenroth